Tamara Hasselblatt - Malerei - Zeichnung - Glas

Arbeiten
in Glas
Villa
Rosenthal
Dunkelheit
und Ewigkeit
abstrakt Landschaften Portraits Steine Tamaras
Tierleben
English version
Die Villa Rosenthal in Jena

Die jahrzehntealte Verpflichtung den jüdischen Stiftern gegenüber
hat sich im Herbst 2009 erfüllt.

Tamara Hasselblatt - Clara Rosenthal
Clara Rosenthal
Rötelzeichnung, 45 x 48
Tamara Hasselblatt - Eduard Rosenthal
Eduard Rosenthal
Bleistiftzeichnung, 30 x 35

Ende des 19. bis ins 20.Jahrhundert hinein lebte in Jena ein jüdisches Ehepaar, Clara und Eduard Rosenthal. Sie verloren ihren einzigen Sohn im 1. Weltkrieg und vermachten ihre Villa nach ihrem Tode der Stadt Jena mit der Auflage, dass sie für kulturelle Zwecke genutzt werden solle und der nun allein noch Lebende bis zu seinem Tode dort leben dürfe. Prof. Eduard Rosenthal war Jurist und ist Ahnherr der thüringischen Landesverfassung, er war Dekan der Uni Jena
* - sein Photo in der Universität war im Dritten Reich abgehängt worden. Das Photo des Dekans aus Nazizeiten hingegen hing durch DDR-Zeiten hindurch und wohl noch bis in die 90er Jahre! Keines hingegen von Eduard Rosenthal, was inzwischen glücklicherweise geändert wurde.
*, wirkte in vielen kulturellen Bereichen, gründete den Leseverein, ist Mitgründer des Kunstvereins und führte zusammen mit seiner Frau Clara ein reges gesellschaftliches Leben in seiner Villa – im Grunde das, was wir unter einem Salon verstehen. Eduard Rosenthal starb schon in den Zwanzigern des 20. Jahrhunderts.

Die Nazis isolierten Clara Rosenthal, sie durfte keine Zeitung mehr beziehen, musste ihr Radio abgeben, der Besuch kultureller Veranstaltungen war untersagt. Schließlich trieben die Nazis die weit über Siebzigjährige in den Freitod. Danach wurde weder zu Nazizeiten, noch in der DDR und auch nach der Wende nicht die Villa Rosenthal ihrer Bestimmung zugeführt. Die Stadt Jena gab die Villa in den 90er Jahren in die Hände der zweitgrößten Baugesellschaft Thüringens, JenaWohnen. Bei einem Wechsel nahm sich der neue Geschäftsführer, Herr Wosche-Graf, glücklicherweise umgehend der Geschichte dieser Villa und damit der Rosenthals an. Er mobilisierte in Jena Kräfte und Gelder, so dass die Villa Rosenthal restauriert und renoviert werden konnte. Seit November 2009 steht sie allen offen.

11. November 1941 - Acryl auf Leinwand 55 x 70
11. November 1941
Acryl auf Leinwand, 55 x 70
Für die Eröffnungsausstellung war Tamara Hasselblatt ausgewählt worden. Sie empfand dies als Ehre und vor allem als Chance, den beiden Rosenthals künstlerisch einen – ihren – Platz in der nach Ideen und Plänen der Rosenthals gebauten Villa zurück zu geben. Durch die Werke, die sich auf die Rosenthals beziehen, bringt sie deren Geschichte in das Bewusstsein unserer Gesellschaft zurück. Wiedergutmachung will es Tamara Hasselblatt nicht nennen, das sei ein zu großes Wort, zudem sei sie nicht möglich. Doch möchte die Künstlerin den Rosenthals auf ihre Weise den Respekt zollen, der ihnen über Jahrzehnte so schändlich vorenthalten wurde.

So entstanden Portraits von Eduard und Clara Rosenthal, die heute in der Villa Rosenthal zu sehen sind. Es war reichlich schwierig und aufwändig, überhaupt und dann noch gutes Photomaterial zu bekommen. Zwei digialisierte Photos von Eduard Rosenthal erhielt die Künstlerin schließlich dank intensiver Recherche und reizender Hilfe von verschiedenen Menschen im Großraum Jena. Die ausführliche Suche nach einem Portraitphoto von Clara Rosenthal fruchtete nicht. Die Nazis waren auch hier entsetzlich gründlich. Doch hofft man, dass es vielleicht noch in irgendwelchen Privathäusern Photos sowie Möbel und Kunstwerke aus dem Besitz der Rosenthals geben könnte.

Neben den Portraits entstanden noch weitere Bilder für die Eröffnungsausstellung. Es sind zwei Bilder, die inspiriert sind von der Rede des Buchenwald-Überlebenden Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel, darunter das große Bild „Dunkelheit und Ewigkeit“.
In einem weiteren Acryl-Bild setzt sich die Künstlerin mit der letzten Lebensphase und dem Schicksal Clara Rosenthals auseinander. Es trägt den Titel „11. November 1941“ – der Tag an dem Clara Rosenthal sich das Leben entnahm und so der Deportation entging.

Lebenswege, Übergänge, Begegnungen mit Ewigkeit ziehen sich seit vielen Jahren als roter Faden durch das Werk der Künstlerin. Ihre Beschäftigung mit den Rosenthals, mit Elie Wiesel und den Opfern des Naziregimes hat eine neue Klangfarbe in ihr Schaffen gebracht, die sich im Triptychon "Überall ist Ewigkeit" (2009) niederschlägt.

* * *

Die Villa Rosenthal hat eine bemerkenswerte Geschichte: Mit ihren Erbauern und ersten Bewohnern Eduard und Clara Rosenthal, nach deren Ideen diese Villa - die wirklich sehr eigen aussieht - erbaut worden ist; mit dem Schicksal von Clara Rosenthal im dritten Reich sowie mit dem Schicksal der Villa in den Jahrzehnten danach, als sie nicht ihrer Bestimmung gemäß genutzt wurde.

Ein weiterer Mosaikstein in der Geschichte ist die Restaurierung der Villa durch JenaWohnen - Dank sei dem Geschäftsführer Stefan Wosche-Graf, der sich dieses wichtigen Themas annahm.

Seit November 2009 ist das neue Kapitel der "Villa Rosenthal"aufgeschlagen:
Sie ist kulturelle Veranstaltungs- und Begegnungsstätte, Tagungsort sowie Wohn- und Ausgangsstelle für zwei Stipendiaten im Bereich Kunst und Kultur.

Tamara Hasselblatt

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